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Musikalischer
Lebenslauf
Ich bin 1966 in Köln geboren, habe an der Universität Köln
die Fächer Germanistik, Anglistik, Pädagogik und Psychologie
studiert. 2001 kam ich beruflich nach München.
Wichtigste musikalische Stationen:
Meine Familie
Irgendwo muß man den Eltern ja doch für ihren genetischen und
erzieherischen Beitrag zur eigenen Entwicklung danken. (Also meiner, nicht
der ihrigen ... ) In diesem Sinne möchte ich meinem Vater für
seine gelebte Liebe zur Harmonie danken – in jeglichem Sinne –
und meiner Mutter, daß sie dafür den Bedarf geschaffen hat.
Dies ist natürlich ausschließlich musikalisch gemeint. Versteht
sich.
Kölner Domchor
Im dritten oder vierten Schuljahr ging der damalige Domkapellmeister durch
die Klassen und fragte, wer denn gerne in einem Chor mitsingen möchte.
Ich meldete mich, musste vorsingen, kam dann in die Domsingschule und
später in den Domchor. Von da an standen zwei Abende pro Woche sowie
jeder Sonntag Vormittag unter dem Stern gregorianischer Choräle,
Messen und Motetten, bis der Kapellmeister nach einigen Jahren sein Amt
niederlegte und sich irdischeren Erfüllungen zuwandte. Sein Nachfolger,
der diesen wohl erfolgreich entsagt hatte (bitte nicht auf semantische
Spitzfindigkeiten achten. Vielleicht hat er nicht nur entsagt, sondern
auch entbehrt – so gut kannte ich ihn nun doch nicht.), hatte sicherlich
auch Qualitäten, nur lagen sie definitiv nicht im Umgang mit Kindern.
Demzufolge wechselte ich in den
Kölner Kinderchor
Die berauschenden Arrangements unseres Chorleiters nahmen es selbstverständlich
spielend mit Orlando di Lasso und Mozart auf. Was mich in dem Alter aber
dann doch mehr faszinierte war das neue musikalische Umfeld, das ich nun
kennenlernen durfte. Der Chor besetzte z.B. Kinderrollen in der Kölner
Oper und so hatte ich mehrere Jahre das Vergnügen, bei "Hänsel
und Gretel" als Lebkuchenkind immer wieder zum Leben erweckt zu werden.
Daß man hierfür jedes Mal die Hexe verbrennen musste, hat mein
kindliches Gemüt nie sonderlich belastet. Der Chor hatte regelmäßig
Auftritte auf Galas, sang in Rundfunksendungen und nahm zahlreiche Platten
auf, u.a. (nicht lachen!) mit Anneliese Rotenberger und Rolf Zuckowski.
Rolf holte uns anschließend auch zu einer Fernsehsendung. Für
die haben wir ihn zwei Tage im Phantasialand bei Köln begleitet.
...
natürlich war ich einer von den Guten – undercover, inkognito.
Die Szenen, in der das aufgelöst wird, sind dann aber dem Final Cut
zum Opfer gefallen ...
Irgendwann kam dann das, was jeder Junge sich wünscht, wenn der Liebe
Gott es ihm gönnt: der
Stimmbruch
Obwohl ich als Lead eine der höheren Stimmen habe, schwöre ich:
ich hatte ihn!
Jazz made in USA
Austauschschüler in den USA ist das Abenteuer schlechthin, wenn man
als Kind in die Kategorie "wohlbehütet" fällt. Unklar
ist, für wen in meinem Fall der Kulturschock größer war,
für mich oder mein amerikanisches Umfeld. Durch meinen Akzent phonetisch
als Nichtamerikaner markiert, musste ich nun ständig Auskunft über
meine Herkunft geben. Mit Verweis auf meine große, blonde Erscheinung
stellte sich dies als mehr oder weniger große Herausforderung dar,
die fast immer in Beschwörungsszenarien endete, ich käme wirklich
nicht aus Mexiko.
Zu Schuljahresbeginn trat ich in den Symphoniechor der Schule ein, mit
dem ich im Frühjahr mit Werken von Carl Orff und Hugo Distler die
Washington State Meisterschaften gewann. Irgendwann stand dann ein gemeinsames
Konzert mit unserem Jazz Chor an. 20 Leute, die in Begleitung der Schulband
Manhattan Transfer, Gene Puerling Arrangements und die guten alten Standards
sangen. Mir blieb die Puste weg. Nicht, daß deren Sätze eine
größere Herausforderung gewesen wären, aber Orff und Distler
swingen einfach nicht so. Und so bemühte ich mich, im zweiten Halbjahr
auch in diesem Chor mitzusingen ...
Das Jahr war insgesamt sehr reich an nachhaltigen Eindrücken. Unter
anderem nahm ich an den Washington State Meisterschaften Teil –
und zwar sowohl in der Kategorie: "Liedgut" als auch in der
Kategorie "Jazz". Vormittags bin ich mit einem Schubert-Lied
angetreten und hatte zwar den Lacher aber anschließend keine Punkte.
Mir blieb vor Nervosität zunächst der Text weg und anschließend
nichts anderes übrig als zu improvisieren. Schließlich wollte
ich das Lied nicht auf "la la la" beenden. Die Wertungsrichter
hatten Tränen in den Augen. Wer ahnt auch, daß die so gut Deutsch
können ... In der Kategorie "Jazz" bin ich mit einem Gospel
angetreten und habe einen Excellent Award erhalten. Ehrlicherweise muß
ich aber eingestehen, daß ich nicht ausschliessen kann, daß
meine Einlage am Vormittag zu dieser Auszeichnung beigetragen hat. Es
war dieselbe Jury, die mich nun mit einem fröhlichen Grinsen empfing...
Ein weiterer Höhepunkt war meine Qualifikation für den All-North-West-Choir.
Dieser wird alle zwei Jahre für ein Konzert und eine Schallplattenaufnahme
zusammengestellt. Hier können sich Schüler aus den Nord-West
Staaten (Alaska, Idaho, Montana, Oregon, Washington oder Wyoming) bewerben.
Da man für die Proben und das Konzert eine Woche von der Schule freigestellt
wird, ist der Andrang entsprechend ... Aus den ich-weiß-nicht-wieviel-tausend
Bewerbern werden dann über ein mehrstufiges Ausscheidungssingen (heißt
heute doch "Casting", oder?) die Chormitglieder ausgewählt.
1. Kölner Barbershop Chor
Mit dem Jazz-Virus infiziert, wollte ich während des Studiums unbedingt
Jazz singen und las im Kölner Stadtanzeiger einen Artikel über
den 1. Kölner Barbershop-Chor. Nicht, daß es einen zweiten
gäbe – aber wie man gemeinhin weiß, gibt es einen zwingend
kausalen Zusammenhang zwischen Gründungstermin und musikalischer
Qualität. – Daher auch der geläufige Plakataufdruck: "Wir
singen richtig seit 1830". Nun stand weder im Artikel ein Ansprechpartner,
noch war der Chor im Telefonbuch eingetragen. Also fragte ich beim Amtsgericht
nach dem Vereinsregistereintrag, erhielt dort einen Ansprechpartner, sang
vor und lernte im Chor die "Wise Guys" kennen. Damals noch mit
Christoph anstelle von Ferenc, aber das kommt gleich noch.
Modisch
schick, im karierten Pullover stehe ich unten links. Zwei weiter rechts
kämpft Sari von den Wise Guys mit seinem Schluckauf. Rechts neben
ihm, im Profil dann Matthias Neuburger. Über mir klatscht Leo Freitag
von Viertakt in die Hände .
Mit
Krawatte leider nur halb im Bild ist unten links Kurt Gerhardt. Rechts
über mir ist wieder Leo und in der dritten Reihe stehen (von links
nach rechts) Norbert, Eddi und Hans-Jürgen.
Unter der Leitung von Kurt Gerhardt hat der Chor eine sehr ausgeprägte
Quartett-Kultur entwickelt. Und so traten möglichst viele Chormitglieder
als Quartette auf den Deutschen Barbershop-Meisterschaften an. So kam
ich zum Ensemble-Singen.
Barbershop, Doo Wop und Jazz Ensembles
An sich ist das Ensemblesingen ein Spiel mit recht simplen Regeln: Zunächst
bilden alle Mitspieler einen Kreis. Und nachdem man sich dann auf ein
Lied geeinigt und die Stimmen aufgeteilt hat, beginnt der eigentliche
Teil des Spieles. Es gilt den Mitspieler mit der falschen Note ausfindig
zu machen. Dies geschieht durch eindeutige Handzeichen. – Interessant
wird das Spiel vor allem dadurch, daß jeder die Rolle des Falschsängers
übernehmen kann – im fliegenden Wechsel. Bei einer Meisterschaft
darf das Publikum dann mitraten.
Linie 3
"Linie 3" war eines dieser Barbershop-Quartette, die sich aus
dem Chor gebildet hatten. Und wir waren wirklich gut. Noch heute erhalte
ich Anrufe von Leuten, die uns auf der Deutschen Meisterschaft gehört
hatten: "Wer war’s?"
von
links: Stefan Hammes (Bariton), Guido Weber (Lead), Gregor Klawikowski
(Baß), Matthias Neuburger (Tenor)
Nichts trainiert Intonation, Vokalabgleich und Blend mehr, als das Singen
im Ensemble. Und unser Drill-Instructor war Matthias Neuburger, unser
Tenor. Gemeinsam mit Leo Freitag leitet er heute den 1. Kölner Barbershop
Chor. Für jeden im Kölner Raum, der sich gesanglich weiterentwickeln
will, sowohl im Chor, als auch im Ensemble, kann ich wirklich nur empfehlen,
dort reinzuschnuppern. Es lohnt sich in jedem Fall! Und wenn ihr dann
dort seid, grüßt Leo und Matthias von mir!
The UntunaBells
Sehr bald sprach mich eine Kölner Doo Wop Gruppe an. Einfache Harmonien,
eingängige Melodien und jede Menge Rhythmus. Der Fun-Faktor war riesig!
Hier habe ich begonnen zu arrangieren. Eines unserer Stücke, geschrieben
von Alessandro Weber und Achim Schönenborn, ist "Patricia's
Theme". Die Aufnahme haben wir in den bekannten Chrystal-Studios
aufgenommen, also bei Ralph zur Linde ("Chrystalairs") an einem
Nachmittag in seiner WG. Wer den Baß an der Stimme noch nicht erkannt
hat: es ist Ferenc Husta. Als Christoph Tettinger bei den "Wise Guys"
ausstieg, erzählte ich Ferenc von den Wise Guys. "Wenn ich Du
wäre, würde ich es versuchen." The rest is history.
Adelheit Verpflichtet
Die Nachfrage nach "Linie 3" war immens und selbst lange nach
unserer Auflösung erhielt ich ständig Anfragen. Gleichzeitig
jobbte ich während des Studiums immer wieder als Background-Sänger.
Bei einer Aufnahme für eine südamerikanische Weihnachts-CD lernte
ich bei EMI die richtigen Leute kennen, um, dieses Mal als gemischtes
Quartett, auf die Anfragen reagieren und an die Erfolge von Linie 3 anknüpfen
zu können.
von
links: Kerstin (Alt), Guido (Tenor), Eduardo (Baß), Silke (Sopran)
Wackeldackel
Beruflich in München angekommen, trug ich mich im Internet in eine
Musikerbörse ein. "Mexikanischer Austauschschüler ..."
– Scherz – Ich wurde zum Vorsingen eingeladen, aufgenommen
und zu dritt noch auf der Suche nach einem Baß, erzählte Jens,
daß der Anette-Betz-Verlag ein Kinderliederbuch mit CD herausbringen
wolle. Letzteres sollte ACapella sein und dafür würde noch eine
geeignete Gruppe gesucht. Wir bewarben uns, sangen vor und erhielten den
Zuschlag. Als Baß sprang für dieses Projekt Michael Landmann
ein. Und für die 5-stimmigen Lieder hatten wir Markus "The Voice"
Amiri an Bord.
Mundwerk
Mit Peter Möller hatten wir im Herbst 2002 das stimmliche Fundament
gefunden, das wir gesucht haben. Nach wenigen Wochen folgte unser erster
Auftritt im Spectaculum Mundi. Mit einem Mitschnitt aus diesem Konzert
qualifizierten wir uns für die Meisterschaften in Graz, wo wir dann
zu unserer Überraschung den zweiten Platz in der Kategorie Comedy
gewannen. Im Folgejahr traten wir wieder an und bestätigten unsere
Plazierung - diesmal zur allgemeinen Überraschung. Wobei ich die
Idee der Jury sehr originell fand, Comedy auftrittsübergreifend aufzufassen
und mit einem eigenen Rahmenprogramm zu begleiten.
Im selben Jahr plazierten wir Bronze auf den Deutschen Barbershop-Meisterschaften
und sangen unser Debutalbum "Groupies" ein. - Nach diesen zwei
unglaublich bewegten Jahren teilte uns Peter Ende 2004 mit, dass er eine
Ausbildung als Musiktherapeut beginnen würde und nicht mehr genügend
Zeit für den Gesang aufbringen könne. Wir ernannten ihn zum
Ehrenmitglied auf Lebenszeit und begannen mit einer intensiven Suche nach
einem neuen Bass. Manchmal hat man mehr Glück als Verstand und wir
fanden mit Oliver nicht nur einen tollen Bass, sondern vor allem auch
einen unglaublichen Obertonsänger.
Der ausgleichenden Gerechtigkeit willen, ließen wir Anfang 2006
dafür dort den Verstand walten, wo wir kein Glück hatten ...
Mit dem Wechsel zu einem gemischten Ensemble und dem Ausbau von unserer
Hochfrequenzfraktion war es uns möglich, neue künstlerische
und musikalische Wege zu beschreiten und gleichzeitig unsere Wurzeln zu
erhalten.
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